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netzgemeinde™ – wir sind nicht gleich

@miinaaa hat nach ihrem vortrag auf der #om13 (video/folien) noch einmal zu dem thema netzgemeinde und digitaler ungleichheit gebloggt. das thema ist unglaublich wichtig. und ich kann die forderung von @miinaaa gut nachvollziehen. diese meine ich:

Also los: inklusiver schreiben, Fachwörter erklären, Leute abholen. Mal ein bisschen links und rechts schnuppern. Bündnisse dort suchen, wo man sie nicht erwartet. Und nicht einfach annehmen, “die anderen” würden sich nicht für “unser” Netz interessieren. Ich bin mir sicher, dass eine 16jährige ohne Twitter-Account sich genauso leidenschaftlich auf die Straße stellt und gegen Überwachung demonstriert, wie Piratenpolitiker_innen – vorausgesetzt, wir binden sie ein. Wenn “wir” das nicht tun, können wir noch x Texte schreiben, die sich immer wieder um uns selbst drehen, wir können klagen und wehen und uns auf den Boden werfen – es wird einfach irrelevant bleiben.

allerdings sehe ich da doch noch einige schwierigkeiten mehr, als sich versuchen anzunähern. @miinaaa führt bourdieu an. dieser hat mit dem konzept der distinktion auch schön herausgearbeitet, wo überall hürden liegen und warum diese so schwer zu überwinden sind.

ich habe in einem artikel für die merzWissenschaft versucht dieses konzept aufzugreifen und als pädagogisches problem von richtig und falsch zu thematisieren. wenn es darum geht, dass man „eine 16jährige ohne Twitter-Account“ dazu bringen möchte, dass sie auch auf die straße geht, dann möchte man sie ja davon überzeugen, dass dies richtig ist. hier ist man schnell bevormundend bzw. weiß besser, was menschen mit ihrem jeweiligen habitus wichtig ist. dies resultiert unter anderem aus dem habitus. dieser führt eben auch dazu, dass man sich nicht immer versteht bzw. in die lebenswelten anderer menschen entsprechend eindringen kann.

letztendlich geht es mir keineswegs darum, dass ich den vorschlag von @miinaaa ablehnen würde. vielmehr sollten wir als netzgemeinde ™ neben dem versuch möglichst viele menschen zu erreichen auch die ursachen weiter verfolgen, warum das vielleicht nicht gelingt. wo andere interessen, sorgen und bedürfnisse an das netz liegen.

sich mit distinktionsprozessen zu befassen scheint mir dabei ein relevanter punkt zu sein. sowohl in der netzpolitik der netzgemeinde, als auch in der forschung. insbesondere, da die konzepte der sogenannten omnivore sind da spannend. vor allem wenn es darum geht, dass man sich innerhalb von gesellschaftlichen hierarchien nach unten öffnet. spannend ist da vor allem andreas gebensmair „renditen der grenzüberschreitung“ von 2004.

eine grenzüberschreitung ist zumeist nur von „oben“ nach „unten“ im rahmen gesellschaftlicher hierarchien möglich. und davon profitieren diejenigen, die bereits oben sind. zugleich ist natürlich ein fahrstuhleffekt ebenso möglich, von dem letztendlich alle profitieren.

@miinaaa hat da eine wichtige debatte angestoßen, die man nun auf jeden fall weiterführen sollte. denn sie ist wichtig. zum einen um netzpolitik zu gesellschaftspolitik zu machen und auch um soziale ungleichheiten (digitale ungleichheit ist ja auch nur eine variante davon) nicht aus dem blick zu verlieren. das netz hat sein versprechen gebrochen. es löst ungleichheiten keineswegs auf. es reproduziert sie. und das sollte netzpolitik im auge behalten.

wir sollten innerhalb der netzgemeinde genau darüber reden. und eben auch mit den lesern und kommentatoren auf bild.de.

antworten habe ich noch keine. aber viele fragen. und ich sehe den beginn einer wichtigen debatte.