über selfies

jörgen camrath hat über selfies gerantet. vor allem über selfies an den falschen orten. und beim kommentieren dieses beitrags ist mir der kommentar etwas lang geraten, weshalb ich ihn an dieser stelle noch einmal festhalte. denn in diesem kommentar habe ich versucht meine position zur selfie-seuche auszudrücken und zugleich zu finden.

ich persönlich bin ja ein großer freund von selfies. davon sollte die welt gerne mehr bekommen. bilder von menschen, wie sie sich selbst sehen wollen und bilder von menschen in allen möglichen lebenslagen und orten.

selfies transportieren für mich mehr als nur einen egozentrismus der personen. mit demselben argument ließen sich fashion-shootings oder street-fotografie dann verdammen, wenn sie models zeigen. oder eben sogar die reportagen, die sich um menschen drehen. vor allem aber die bilder von sogenannten „personen der zeitgeschichte“. den diese scheinen mir doch in vielen fällen als eine art katalysator. sie werden viel fotografiert und vor allem werden die bilder geteilt und angesehen, da interesse an den veranstaltungen und abgebildeten personen vorhanden ist.

selfies transportieren für mich mehr als bilder des selbst mit einer kulisse. vielmehr zeigen sie, dass man da ist, dokumentieren mit wem man unterwegs ist, ermöglichen selbstvergewisserung und erleichtern auch das erinnern.

ich und meine familie stehen aktuell vor der aufgabe die dias meiner großeltern zu sichten und auszuwählen, welche wir behalten möchten. und es sind viele dias von vielen orten, da mein großvater begeisterter fotograf war und gerne reiste.

schon jetzt vermuten wir, dass wir vor allem die bilder behalten, die menschen zeigen. menschen die wir kennen und zu denen wir einen bezug haben. auch wenn viele andere bilder einfach schön anzusehen sind und auch interessante momente von reisen festgehalten haben, so sind sie für uns in den meisten fällen belanglos. das mag im ersten moment traurig klingen, aber es zeigt auch die vergänglichkeit von festgehaltenem. denn bilder sind mit gedanken verknüpft. einige sind technisch aufwändig, einige sind von besonderen orten und andere sind einfach hübsch für den betrachter. aber dies steht doch immer im zusammenhang mit dessen blickwinkel, damit, was er mit dem bild anfangen kann.

und selfies bieten dabei einen ausgangspunkt. mit selfies fällt es sowohl für die eigene erinnerung, als auch für andere menschen, die bilder sehen einfacher, einen anknüpfungspunkt zu haben. und mit diesem anknüpfungspunkt werden auch die „kulissen“ wieder interessant. denn selfies entsprechen eben nicht der potraitfotografie von jim rakete (z.b.), sondern sie verorten bilder. sie lassen den menschen nicht mit sich allein, sondern verorten in der welt. in der räumlichen, in der sozialen und auch in der historischen welt.

im falle der ausschwitz selfies zeigen sie die auseinandersetzung mit ausschwitz. sie verorten das individuum in ausschwitz. und bieten so die möglichkeit immer wieder daran anzuknüpfen. das festhalten ermöglicht immer wieder eine rückkehr an diesen ort und bieten damit die möglichkeit sich immer wieder damit auseinander zu setzen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.